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Warum Tragen einfach wunderbar ist…

Ein Baby erblickt das Licht der Welt und findet sich in einer völlig neuen Umgebung wieder. Viele Wochen durfte es sich im Bauch der Mutter entwickeln, spürte konstant Wärme und Geborgenheit. Es gewöhnte sich langsam an die Geräusche im Bauch  – vor allem hörte es Mamas Herzschlag, Mamas Stimme und die der anderen Familienmitglieder. Sanfte Worte und zarte Berührungen von außen haben die Bindung zu den Eltern gestärkt und Vertrauen aufgebaut.

Viele neue Eindrücke

Das Neugeborene kommt auf die Welt und erlebt seine Umwelt neu. Eine große Herausforderung: Unzählige Eindrücke sind zu verarbeiten, das Baby ist Temperaturschwankungen ausgesetzt und vor allem nimmt es seinen kleinen Körper “selbstständig” in Betrieb. Puuh, das ist anstrengend!

Ein Baby kann auf seinem Weg in die Welt am besten begleitet werden, indem es so viel Körperkontakt wie möglich erfahren darf und es dabei liebevoll Wärme, Geborgenheit und Sicherheit spürt.

Die Sinne eines Neugeborenen

Wusstest du, dass Neugeborene ihre Umwelt mit den Augen nur schemenhaft und sehr verschwommen wahrnehmen? Die beste Sehschärfe liegt in den ersten Wochen nach der Geburt bei einer Entfernung von 20-30cm. Diesen Abstand nimmt man als Elternteil meist intuitiv ein, wenn man sich seinem Kind zuwendet – mit ihm spricht oder mit Streichelspielen oder Babymassagen Liebe schenkt. Auch beim Tragen ist dieser optimale Abstand von Baby- zu Elterngesicht gegeben, der Voraussetzung für die Kommunikation zwischen Kind und Bezugsperson ist.

Einen besonderen Stellenwert in der Entwicklung der Bindung nehmen außerdem der ausgeprägte Geruchssinn und die Sensorik der Haut deines Babys ein. Den wohlbekannten Duft der Eltern zu riechen und direkte Körperwärme zu spüren, spendet Sicherheit, Trost und Liebe. Es festigt die Bindung.

Menschenkinder sind Traglinge

Menschenkinder sind Traglinge (nach Bernhard Hassenstein, Verhaltensbiologe): Nimmt man ein junges Baby auf, zieht es automatisch die Beinchen an. Es nimmt, in Erwartung getragen zu werden, automatisch die sogenannte Anhock-Spreizhaltung ein: Die Beine sind angehockt, die Knie etwa auf Nabelhöhe und die Oberschenkel leicht abgespreizt. Diese Haltung ermöglicht es dem Kind, sich an die Mutter zu “klammern” und optimal auf ihrer Hüfte zu sitzen. Auch der Mororeflex (Klammerreflex) zeigt auf, dass Menschenbabys evolutionsbiologisch darauf ausgerichtet sind, von ihrer Mutter (oder auch vom Papa 😉) getragen zu werden. Möchtest du einen wissenschaftlichen Artikel zu diesem Thema lesen?

Um die natürlichen Bedürfnissen nach Nähe, Geborgenheit und Schutz eines Babys zu stillen, ist es also nicht verwunderlich, dass es am liebsten getragen werden möchte.

Getragene Babys sind zufriedene Babys

Doch nicht nur das Grundbedürfnis der Körpernähe zwischen einem Baby und den Eltern ist ein Argument für das Tragen. So ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Babys, die viel getragen werden, signifikant weniger weinen (Quelle: Increased Carrying Reduces Infant Crying: A Randomized Controlled Trial von Urs A. Hunziker and Ronald G. Barr). Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass unser Kind sich sehr schnell während des Tragens beruhigte und einschlief, sobald es müde war.

Die physische und psychische Entwicklung wird gefördert

Ebenfalls ist es erwiesen, dass das Tragen die natürliche Hüftreifung positiv unterstützt und es steht zur Diskussion, ob durch eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung sogar bestehende Hüftdysplasien therapiert werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt, der die Entwicklung eines Babys betrifft: Das Tragen löst Bewegungsreize aus. Durch die konstanten Bewegungen des Tragenden entstehen im Bewegungsapparat des Babys durch Muskelkontraktionen Ausgleichsbewegungen, die es motorisch fördern und der Gleichgewichtssinn wird trainiert. Somit wird ein Baby durch das Tragen physisch sowie psychisch in seiner Entwicklung gefördert.

Durch den intensiven Kontakt, den Elternteil und Kind beim Tragen erleben, entsteht Nähe und Urvertrauen. Physisch wie psychisch – auf diesem Weg ist das Tragen bindungsfördernd. Herausfordernde und belastende Situationen, wie eine komplizierte Schwangerschaft, eine Wochenbettdepression oder eine einschneidende Geburtserfahrung können den Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind schwer beeinträchtigen. Neben professioneller Hilfe kann in diesen Situationen auch das Tragen des Neugeborenen heilsam sein.

Das Tragen deines Babys!

In der intensiven Zeit des Wochenbetts benötigt dein Neugeborenes viel Nähe. Das Tragen ermöglicht es deinem Kind und dir jederzeit zu kuscheln. Ihr lernt euch dabei kennen und die Nähe ermöglicht, die Bedürfnisse deines Babys unmittelbar zu erkennen. So weint es weniger.

Ist dein Baby nun einige Wochen alt, wird es mit allen Sinnen die Welt entdecken. Dabei kannst du es unterstützen, indem du ihm tragend eure Umgebung zeigst. Stell dir vor, wie unterschiedlich die Perspektiven aus einem Kinderwagen und einer Tragehilfe für dein Baby sind! Dein Kind wird es lieben, mit dir auf Augenhöhe Menschen kennenzulernen, die Natur zu entdecken und einfach nur zu staunen. Überkommt es die Müdigkeit oder werden die Reize zu viel, kann es sich an dich kuscheln, sein Köpfchen vergraben und ein Nickerchen machen.

Nicht nur das Baby genießt

Übrigens, nicht nur dein Baby kommt beim Tragen auf seine Kosten, auch für euch Eltern gibt es viele gute Gründe euer Kind zu tragen.

Entspannte Zeit im Wochenbett

Schon das Wochenbett kann entspannter sein, wenn du dein Baby trägst. Es ist völlig normal, dass dein Neugeborenes in den ersten Wochen ständig deine Nähe braucht und es manchmal zur Herausforderung wird, nur mal kurz die Zähne zu putzen. Das Tragen wird für euch beide eine wunderschöne Erfahrung in der ersten Zeit – du hast auch mal deine Hände frei und dein Baby genießt dabei deine Nähe.

Flexibilität und Unabhängigkeit

Nach einiger Zeit des Tragens hat sich deine Muskulatur an die neue Belastung angepasst und du wirst dein Kind auch tragen können, wenn es älter wird. Somit kannst du die Flexibilität des Tragens voll auskosten: Du hast zu Hause beide Hände frei, kannst dich zum Beispiel um den Haushalt oder Geschwisterkinder kümmern. Ein Spaziergang, einkaufen, öffentliche Verkehrsmittel, alles kein Problem. Es gibt sogar spezielle Sportkurse, an denen du gemeinsam mit deinem Baby teilnehmen kannst (z.B. Kangatraining®).

Und falls du doch Rücken- oder Schulterschmerzen während des Tragens bekommen solltest, lass dir bei einer Trageberatung Bindeweisen oder Einstellungen deiner Trage zeigen, die deine Schmerzzonen entlasten.

Tragen ist einfach wunderbar

Gerne helfe ich dir in einer Trageberatung eine Tragemöglichkeit zu finden, mit ihr euch komplett wohlfühlt. Du wirst sehen, für jede Mama, jeden Papa und jedes Baby gibt es die richtige Tragevariante!

Durchblick im Dschungel der Tragen – Die Unterschiede erklärt

Worin sich Halfbuckle, Fullbuckle & Co. unterscheiden…

Vielleicht hast du dich im Internet oder in den sozialen Medien bereits informiert, welches Tragen für dein Baby und dich in Frage kommen würde. Eine Babytrage oder ein Tuch soll es werden – oder vielleicht auch beides?

Schnell ist festzustellen, dass die Auswahl an Tragehilfen sehr groß ist, und die Verwirrung auch. Denn es gibt Halbschnallentragen und Vollschnallentragen, auch Half- und Fullbuckle genannt, Wrap Cons und Mei Tais, und die Eigennamen einiger namhafter Hersteller stiften vollends Verwirrung ;-).

In diesem Artikel möchte ich die Unterschiede zwischen verschiedenen Tragehilfen aufzeigen, um dir eine Vorstellung darüber zu geben, welcher Tragentyp zu deinen Bedürfnissen passen könnte. An dieser Stelle ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass jede Tragehilfe individuell ist und ich unbedingt empfehle, sie vor dem Kauf auszuprobieren. 

Vollschnallentrage, Komforttrage oder „Fullbuckle“

Die Vollschnallentrage ist, wie der Name sagt, komplett mit Schnallen ausgestattet. Sie besteht aus einem Rückenteil, an welchem gepolsterte längenverstellbare Schultergurte sowie ein verstellbarer Hüftgurt mit Klickschnalle angebracht sind. Viele Komforttragen bestehen aus speziell gewebtem Tragetuchstoff, einige Hersteller setzen auf Baumwolle oder auch auf Mesh-Materialien. Mit Komforttragen lässt sich für gewöhnlich vor dem Bauch, auf dem Rücken und auf der Hüfte tragen. Durch die Schnallen lässt sich die Trage schnell und unkompliziert auf unterschiedliche Träger anpassen. Je nach Modell sind Fullbuckles für sehr zarte Neugeborene noch etwas zu groß, einige Hersteller wie Fidella oder Kokadi bieten daher Baby-Sizes und Toddler-Sizes an, sodass in Punkto „guter Sitz“ keine Abstriche gemacht werden müssen. Bei der Kaufentscheidung ist in jedem Fall darauf zu achten, dass die Trage einen ergonomischen Sitz des Babys gewährleistet. Das heißt, das Kind sollte die Anhock-Spreiz-Haltung einnehmen und mit dem Popo gut gebeutelt sitzen. 

Bekannte und empfehlenswerte Tragen sind zum Beispiel „Limas Flex“, „DidySnap“, „Manduca XT“ oder „Kokadi Flip“.

Ruckeli Slim – eine besondere Vollschnallentrage

Halbschnallentrage oder „Halfbuckle“

Eine Halbschnallentrage besitzt einen Hüftgurt mit einer Schnalle und gepolsterte Schulterträger zum Binden. Halfbuckles sind sehr flexibel im Alltag, da sie schnell angelegt und individuell an den Träger anpassbar sind. Sie sind der perfekte Kompromiss aus Tragetuch und Trage. Das Rückenteil der Halfbuckles bestehen allesamt aus Tragetuchstoff, welcher sich dem Baby wunderbar anschmiegt und einen gesunden Sitz ermöglicht. Beispiele: „Limas Babytrage“, „Girasol MySol“ mit Schnallengurt, „Fidella Flowklick“, „Fräulein Hübsch“.

Eine Variante der Halbschnallentrage stellt die Trage mit sogenannten Wrap Con – Trägern (Wrap Conversion) dar. Die langen Schulterträger bestehen aus Tragetuchstoff, die sich zum Beispiel auf dem Rückenteil der Trage auffächern lassen und unterschiedliche Bindemöglichkeiten bieten. Durch die breiten Träger aus Tuchstoff lässt sich eine für den Träger angenehme Gewichtsverteilung erreichen, zudem kann das Baby durch zusätzliche Tuchlagen am Rücken gestützt werden. Beispiele: „DidyKlick“, „Limas Plus“, Kokadi „Wrapstar“. 

Eine Halfbuckle bietet die Möglichkeit, auf der Hüfte, vor dem Bauch und auf dem Rücken zu tragen.

Didymos DidyKlick

Mei Tai

Der Mei Tai ist sozusagen die Mutter aller Tragehilfen mit einer langen Tradition. Ein klassischer Mei Tai ist vollständig zu binden. Sowohl die Schulterträger wie auch der Hüftgurt bestehen aus Stoff – meist aus diagonal-elastischen Tragetuchstoff. Der Mei Tai zeichnet sich durch ein komfortables Packmaß, Flexibilität und Schmiegsamkeit aus. Es gibt diese Trage mit gepolsterten Trägern und Wrap-Con Trägern.

Beispiele: „Girasol MySol“, „Girasol WrapMySol“, „DidyTai“, „Kokadi WrapTai“

Girasol MySol

Onbuhimo

Ein Onbuhimo ist eine Trage, die keinen Hüftgurt besitzt. Sie eignet sich mit ihren gut gepolsterten Schulterträgern besonders gut zum Tragen auf dem Rücken, zum Beispiel für Tragemamas, die ein Baby erwarten und nicht vor dem Bauch tragen können. Ein Onbuhimo ist für ältere Baby wunderbar geeignet und ist super für unterwegs, auch wenn dein Baby bereits laufen kann und auf längeren Strecken getragen werden möchte. 

Beispiele: „DidyGo“ oder „Kokadi Onbu“

Hybridtragen

Hybridtragen stellen eine Besonderheit dar. Sie sind Innovationen verschiedener Hersteller und bieten beispielsweise eine Kombination aus Tuch und Trage. Ein Beispiel hierfür ist die „Manduca Twist“ oder die “emeibaby”. Darüber hinaus gibt es Onbuhimo-Hybridtragen mit abnehmbarem Hüftgurt wie die „BuzziBu“ oder „Limas Flex“.

Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Durchblick und vielleicht sogar eine Orientierungshilfe für deinen Tragenkauf verschaffen. 

Deine Carolin